Häntzschelstiege Sächsische Schweiz



Stiegentour Häntzschelstiege



Bei dieser Stiegentour durchqueren wir die abenteuerliche Häntzschelstiege in der Sächsischen Schweiz. Auf Seilen und Eisen und Leitern überwinden wir nun beachtliche 160m Höhenunterschied und klettern die Felswände der Affensteine empor. Am Austritt der Häntzschelstiege werden wir mit toller Aussicht belohnt.


 

Anreise

 

Symbol mit einem Auto abgebildet

Dresden – Bad Schandau, dann S165 (Kirnitzschtalstraße) bis zum Parkplatz am Beuthenfall, ca. 90 Minuten (60 km)

Symbol mit einem P für Parken knapp bemessen (Tipp: Parkplatz am Beuthenfall, gebührenpflichtig)
Anfahrt mit dem VVO-Nahverkehr / DBAnfahrt mit dem Öffentlichen Nahverkehr

 

 

Informationen zur Wandertour

 

Symbol mit einem Wanderer Dietrichsgrund (grüner Strich, roter Strich, grüner Punkt) - Vorderer Heideweg - Bloßstock, bis zum Einstieg zur Häntzschelstiege
Symbol mit einer Uhr etwa 3 Stunden (5,1 km)
Symbol mit einem Fernglas viele tolle Aussichten
Symbol mit einer Mütze und einer Hose trittsicheres Schuhwerk, Sicherungsausrüstung, ggf. Helm
Symbol mit einer erwachsenen Person und einem fortlaufendem Kind empfohlen nur mit Klettersteigset 
Symbol mit einer erwachsenen Person und einem angeleinten Hund. ungeeignet

 


 

Ausgangspunkt und Anmarsch



Schon lange mal wieder auf dem Programm stehend, aber immer wieder wegen diverser Ausreden verschoben, haben wir uns am 26.04.2009 doch kurzer Hand entschlossen, dass sonnige Wetter zu nutzen und uns in Richtung Sächsische Schweiz – Häntzschelstiege aufzumachen.

Da wir aus dem Norden von Dresden kommen, ersparen wir uns regelmäßig die stressige Stadtdurchfahrt durchs Dresdner Zentrum und wählen den Anreiseweg über Radeberg, Hohenstein, Sebnitz, Saupsdorf zur Häntzschelstiege im schönen Kirnitzschtal. Diese Strecke schaffen wir bei normalem Verkehr in etwa 1 ¼ Stunden ab der Haustür gerechnet, was als erträglicher Zeitaufwand eingeschätzt werden kann.

Und damit ist mit dem Kirnitzschtal auch schon unser allgemeine Ausgangspunkt definiert, wenn man auf dem direkten Weg zur Häntzschelstiege gelangen will.

Die aus meiner Sicht sinnvollste Stelle, dass Fahrzeug sicher abzustellen, ist der Parkplatz am Beuthenfall, jedoch sind die Stellplätze äußerst knapp bemessen, so dass man nur mit viel Glück einen solchen ergattern kann, vor allem, wenn man so spät dran ist, wie wir. Glück ist Geschick, wir nutzen die noch warme Stelle eines vor uns ausparkenden Autos und ich zog punkt 12:00 Uhr mein Parkticket. Die Häntzschelstiege liegt in der Nähe des nördlichsten Gipfels der Affensteine, dem Bloßstock. Daher starteten wir leicht bergan in den Dietrichsgrund (grüner Strich, roter Strich, grüner Punkt) und folgten nach etwa 500 Metern rechts dem Vorderen Heideweg.

Linker Hand durch die Bäume ist schon nach weiteren 15 Minuten das imposante Gebilde des Bloßstocks zu erkennen, welches steil in den hellblauen Himmel ragt. Das durchdringende Geklapper von Karabinern und Abseilachten zeigt uns an, den Wanderweg bergan nun nach links zu verlassen, um direkt am Fuß des Affenstein-Massivs die Wanderung in südwestlicher Richtung fortzusetzen. Nach etwa weiteren 300 Metern Wegstrecke entlang des Affensteinmassivs auf einem gut begehbaren Wanderweg erscheint ein kleines Schild, auf dem das heutige Ziel klar ausgewiesen ist: die Häntzschelstiege.

Beim folgenden Aufstieg über kleine Holzleitern und mehrere Holztreppen kamen uns zwei Ehepaare entgegen, die Damen der Schöpfung hatten unübersehbare Tränen in ihren Knopflöchern. Offensichtlich war man mit der Wahl des geplanten Wanderweges nicht sehr glücklich. Diese Erkenntnis erschließt sich einem aus der Tatsache, dass die Häntzschelstiege prinzipiell nur von der Talseite aus zu begehen ist und damit einem beim Aufstieg gewöhnlicher Weise keine Wanderer entgegenkommen.

Um es klar zu sagen: Die Häntzschelstiege ist ein Wanderweg, der die Horizontale verlässt und in der Vertikalen weiterführt, wobei dabei nun etwa 80 Höhenmeter überwunden werden. Daher halte ich die begriffliche Beschreibung in Form eines Klettersteiges als eher zutreffend.

Sichern – ja oder nein?
Die immer wieder heiß diskutierte Frage, die Häntzschelstiege nur gesichert oder gegebenenfalls auch ungesichert zu durchsteigen, muss jeder für sich selbst entscheiden und richtet sich aus meiner Sicht nach den Erfahrungen und dem klettertechnischen Können. Wer also kontinuierlich im 7`mer Bereich klettert, wird sich in der Häntzschelstiege wohl nicht zwangsläufig sichern wollen.

Für Neulinge und Kletterer, die diesen Sport mehr sporadisch betreiben, ist eine Sicherung immer zu empfehlen, weil ja nicht schädlich. Dabei sollte nun solche Sicherungstechnik genutzt werden, wie sie auch bei normalen Klettersteigen oder Klettergärten verwendet wird. Diese besteht also aus zwei parallel einsetzbaren Selbstsicherungen (altes Drahtseil/ neues Drahtseil). Sogennante Klettersteigsets sind bereits ab etwa 60,00 € erhältlich. Diese werden in einen Hüftgurt oder auch Klettergurt eingeklinkt. Jeweils ein Karabiner sichert den aktiven Bergsportler in den Stahlseilen oder Ösen am Fels.



Unterer Teil der Häntzschelstiege



Ja, und dann ging es endlich auch los. Der untere Bereich der Häntzschelstiege besteht aus zwei sich offen an der Felswand entlang windenden Abschnitten, die über die in der Felswand eingelassenen Stahlbügel zu erklimmen sind. Zudem noch aus einer straff ansteigenden Kluft, welche durch verankerte Seile in der kargen Felswand  der Häntzschelstiege ebenfalls gut gesichert sind.

Der Einstieg über den vorgelagerten Block bis zum ersten Steigbügel erfordert nun schon, dass man sich anständig festhält. Besonders imposant finde ich den oberen Umtritt um die Felskante, da man hier reichlich Luft unter dem Hintern hat. Ist der erste Teil  der Häntzschelstiege einmal erfolgreich absolviert, eröffnet sich ein grandioses Bild, da direkt über der Brosinnadel der Falkenstein auftaucht und wie von dieser eingeklemmt wirkt.

Der Einstieg zur HäntzschelstiegeDie ersten Bügel werden erklommenHäntzschelstiege, Das Seil dient zur Sicherung - wer magBlick zwischen den Felswänden hindurch



Von den umliegenden Blöcken hat man eine hervorragende Sicht insbesondere ins Kirnitzschtal, Zeughaus. Besonders jetzt im Frühling sind die vielen tiefgrünen Schattierungen, die immer wieder durch die dunkelgrauen Sandsteinfelsen – Urzeitmonstern gleich durchstoßen werden, einfach atemberaubend. Nachdem wir die Aussicht weidlich genossen haben und dabei auch das eine oder andere Pixel dieser Kulisse gespeichert haben, geht es  nun vom ersten Teil kommend rechtshaltend dem oberen Abschnitt der Häntzschelstiege entgegen.

Grandiose AussichtEin wagemutiger Sprung an der HäntzschelstiegeToller Blick über grüne Wälder



Oberer Teil der Häntzschelstiege



Für die Passage des oberen Teiles ist es ratsam, den Rücksack abzusetzen, um die Gefahr des Steckenbleibens erheblich zu senken. In den Kamin nämlich, der sich vor einem öffnet, muss man sich etwa 5 Meter hineinschieben.

In der hohlen Kehle des massiven Kamins folgen wir nun wiederum den senkrecht nach oben verlaufenden Stahlbügeln bis zum ersten Absatz. Nach Bewältigung der Leiter, die uns weiter hinauf bringt, erwarten uns fasst horizontal verlaufende Stahlbügel. Es folgt schon der nächste Kick, wenn man die sicheren Stahlbügel der einen Felswand loslassen muss, um die rettenden Bügel auf der gegenüber- liegenden Felswand zu erreichen. Keine Angst, denn die Häntzschelstiege ist mit Stahlseilen gesichert.

Im KaminWieder das Drahtseil zur SicherungMit sicherem Tritt durch die Häntzschelstiege



Über einzelne Blöcke erreichen wir den Wanderweg auf festem Boden, der über das Lange Horn auf den Affensteinen direkt in südliche Richtung führt und haben damit die Häntzschelstiege erfolgreich gemeistert, wobei wir wirklich  jede Menge Spaß hatten.

Von hier aus folgen wir dem Wanderweg in Richtung Reitsteig (blauer Strich), nur um nach etwa 20 Minuten das offene große Plateau zu erreichen, auf dem sich eine Rast sowohl für Fotos, als auch zur Beruhigung des etwas nervösen Magens hervorragend anbietet. Hier sind übrigens auch die Fotos entstanden, auf denen die Kaiserkrone, Zirkelstein, Großer Zschirnstein, und im Dunst der Schneeberg (von vorn nach hinten) zu erkennen sind. Ebenfalls so deutlich selten zu sehen ist der kurvige Verlauf des Elbtals, der sich ins Tschechische schlängelt, oder sollte man eher sagen „sich aus dem Tschechischen schlängelt“.

Tolle Weitsicht in der HäntzschelstiegeWie Stecknadelköpfe, diese FelsspitzenFlache, grün-bewaldete LandschaftJa, der Aufstieg lohnt sichSchöne Sächsischen SchweizHäntzschelstiege, Grau-braun umwaldete Felsmassive



Von diesem Platz aus stehen einem alle Optionen zur Festlegung des weiteren Wanderweges offen. Zu empfehlen und absolut lohnend ist der Weitermarsch über den besagten Reitsteig, dann weiter über den kleinen Winterberg zum Neuen Wildenstein, um dem Kuhstall noch kurz die Aufwartung zu machen. Von dort aus ist der Rückweg über den Lichtenhainer Wasserfall leicht absolvierbar.



Abstieg



Auf Grund des schon weit vorangeschrittenen Tages haben wir uns spontan dazu entschlossen, heute eine relativ schnelle Abstiegsvariante zu wählen. Angeboten hat sich der Abstieg in Richtung Idagrotte – Frienstein.

Über unzählige Holzstufen hinab ins TalFotograf und Autor des Berichtes HäntzschelstiegeStufen über StufenDichter WaldHäntzschelstiege, Ein letztes Foto kurz vor Ende dieser Wanderung



Wiederum gut gekennzeichnet ist es problemlos möglich, den Hinteren Heideweg zu finden (erst roter Strich, dann grüner Strich), welcher später in den eingangs erwähnten und bergaufwärts gelaufenen Dietrichsgrund mündet. Nach genau drei Stunden, also 15:00 Uhr traten wir wesentlich ausgeglichener, als angereist die Heimfahrt an.



Fazit



Klettersteig Sächsische Schweiz gesucht? Dann solltest du auf jeden Fall die Häntzschelstiege ausprobieren. Die Häntzschelstiege ist die wohl interessanteste und spannenste Stiege in der Sächsischen Schweiz - in einer wunderschönen Kulisse. Gutes Wetter ist dabei empfehlenswert.

Text: Sven Kerber
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Wanderkarte im Detail

 

 

Wanderkarte Sächsische Schweiz - Affensteine

Karte: Hintere Sächsische Schweiz Blatt 1 - Schrammsteine, Affensteine, Zschirnsteine
Herausgeber: Sachsen Kartographie Dresden GmbH - www.sachsen-kartographie.de




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