Durch die Schwedenlöcher
Es dämmert am Horizont. Große Quellwolken am Himmel ziehen an uns vorüber und die Bäume am Straßenrand scheinen an unserem Autofenster wie Streichhölzer vorbei zu fliegen. Ringsherum werden bereits die Felder abgemäht und zu dem stickigen Geruch in unserem nicht klimatisierten PKW mischen sich zunehmend Düngerdünste. Jens und ich sind auf dem Weg nach Rathen, um die Abendstimmung auf der Bastei fotografisch einzufangen und im wunderschönen Amelsgrundschlösschen unseren Geschenkgutschein einzulösen. Viel zu lang hatten wir uns dieses Geschenk für den richtigen Tag, das richtige Wetter - ja für die richte Stimmung aufgehoben und nun ist es endlich so weit. Aber erst geht es auf zu einer schönen Tour ins Grüne. Wir wandern im Amselgrund bis zur Kasse der Felsenbühne Rathen. Hier schlängelt sich links vom Wehlgrund (Zugang zur Felsbühne) ein kleiner Pfad über etliche Treppe den Hang empor. Dies wird unser Weg sein. Er führt uns auf den Malerweg, vorbei an den Kletterfelsen Mönch und Tiedge und weiter über die Basteibrücke. Wir folgen dem grünen Wanderweg durch die Anlage des Berghotels Bastei. Bei der ersten Möglichkeit verlassen wir die Straße und biegen rechter Hand ins Grüne ab. Der blaue Wanderweg führt nun noch ein wenig an der Straße entlang, von der wir noch immer lärmende Touristen hören. Diese werden an solch schönen Spätsommertagen hier Busweise ausgekippt um die „Sächsische Schweiz“ zu sehen. Wir halten uns weiterhin rechts, als wir auf den Gansweg gelangen. Nach wenigen Minuten führt rechts ein kleiner Pfad zur Pavillonaussicht. Ein schöner Fleck Erde, aber auch hier sind wir leider nicht allein und so ziehen wir schnell weiter in Richtung Schwedenlöcher. Feuchte Luft schlägt uns beim Abstieg entgegen und es wird spürbar kühler. ![]() ![]() ![]() ![]() Die Schwedenlöcher sind keine käseähnlichen Felsen oder Lagerhäuser einer skandinavischen Möbelkette, sondern ein Canyon mit zerklüfteten Felswänden, der durch Erosion entstanden ist. Herabgestürzte Blöcke verengen zusätzlich die dunklen Schluchten und bilden Felsenbrücken und zahlreiche Nischen. Diese nutzten Bauern der Gegend im 17 Jhd., um sich und ihre Habseligkeiten während des 30-jährigen Krieges vor den Schweden zu verstecken. Im Jahr 1886 wurden die Schwedenlöcher als Wanderweg erschlossen und sind heute durch den Ausbau mit Betonplatten fast stöckelschuhtauglich. Leider wirken diese stabilen Platten wie Fremdkörper in der weichen Natur und langweilen unsere Füße. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Die in unserer Wanderkarte eingezeichnete Höhle unterhalb des Schwedenturms stellt sich leider als wilde Toilette heraus. Wir entscheiden also, schnell in Richtung Amselgrund weiterzulaufen. Der Amselgrund wird im Osten von den Honigsteinen mit der markanten Lokomotive, im Süden von den Feldsteinen mit dem Türkenkopf und im Westen von dem Gansfelsen eingegrenzt. Im Norden ergießt sich der Amselfall – ein touristisches Highlight das wir heute jedoch nicht besuchen wollen. Wir überqueren also den Grünbach, in dem sich Kälteunempfindliche ihren Kreislauf mit Wassertreten stärken können und folgen ihm zum Amselsee. Dort wird auch heute bei warmen Temperaturen gemütlich gegondelt. Unser kurzer Rückweg zum schönen Wellness-Hotel und Ausflugsrestaurant Amselgrundschlößchen endet nach den interessanten Eindrücken dieser einzigartigen Felsenlandschaft des Nationalparks nur unweit der Felsenbühne Rathen. Das Amselgrundschlößchen – unsere Nachtstätte - wird in der dritten Generation als Familienbetrieb von den sympathischen Hoteliers Gehrig geführt. Hier steigen neben Wanderern und Bergsteigern auch erholungsuchende Geschäftsleute und luxusverwöhnte Touristen ab. Wir zählen uns zwar zu Ersterwähnten, dennoch muss ich sofort den Wellnessbereich testen. Als Saunajunky schlüpfe ich also sofort in den weichen Hotel-Bademantel, schnappe mir mein Handtuch und fahre mit dem Fahrstuhl in den Keller – ist ja schließlich für alle Hausgäste kostenfrei. Hier werden alle meine Erwartungen und bereits gemachten Erfahrungen übertroffen. Erholung pur bietet eine abwechslungsreiche Dusch- und Erfischungslandschaft, eine Trocken- ( 90°) - eine Stuben – (60°) und eine Dampfsauna mit Steinöfen und Kaminen sowie ein luxuriöser Ruheraum im Asiatischen Stil mit großen Holzliegen und komfortablen Auflegern. Der gesamte Bereich wurde mit hochwertigen und einheimischen Materialien, wie Sandstein, gestaltet und mit Liebe zum Detail abgestimmt. Leise Ambient-Musik lässt mich sofort in einen Dämmerzustand hinab gleiten –einfach toll. Zurück im Zimmer macht sich aber nun auch langsam der Hunger breit und so schmeißen wir uns in Schale und nehmen am für uns reservierten Tisch im Haus-Restaurant ein ganz vorzügliches 4-Gang-Dinner ein. Ich glaube die Mitarbeiter haben selten so leer abgeputzte Teller gesehen, aber was soll ich sagen – Wandern macht hungrig und es hat super geschmeckt. Nachdem wir beide auch unsere Flasche Chilenischen Weißwein genossen haben, fiel der Gang zum Frühstücksbuffet am nächsten morgen leider ziemlich schwer. Aber die Vitalbar, an der wir uns ein individuelles Müsli zusammenstellen konnten, und das riesige Buffet liesen die Katerstimmung schnell verfliegen. Wir werden das Hotel Amselgrundschlösschen sicher wieder besuchen. Schauen Sie doch auch einmal vorbei und entspannen Sie sich im schönen Ambiente bei leckeren Speisen.
Wanderkarte im Detail:
Karte: Vordere Sächsische Schweiz |
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