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Funktionskleidung waschen und imprägnieren

Online Ratgeber für atmungsaktive und wasserabweisende Oberberkleidung

Funktionskleidung Waschanleitung

Funktionskleidung // Waschanleitung einer Wanderhose

Wer sich hochwertige Funktionskleidung zugelegt hat, der weiß, dass Qualität seinen Preis hat. Doch irgendwann muss die Kleidung in die Wäsche und die Imprägnierung der Oberbekleidung (Jacken und Hosen) aufgefrischt werden. Dabei entstehen häufig viele Fragen zur optimalen Pflege. Grundsätzlich gilt: Je stärker eine Imprägnierung ist, desto besser ist der Feuchtigkeitsschutz aber auch: desto geringer ist bei vielen Membranen die Atmungsaktivität des Gewebes. Hinzu kommt, dass sich bei einer Imprägnierwaschmittel ein Schutzfilm auf die Innenseite der Oberbekleidung legt und die Atmungsaktivität spürbar gemindert werden kann. Ich habe erfahren, dass die Materialgemische und Membrane auf Imprägnierwaschmittel unterschiedlich reagieren und demnach die Atmungsaktivität schwächer ist oder nahezu erhalten bleibt. Bei einem Imprägnierspray kannst Du individuell vorgehen.

10 Pflegetipps für Funktionskleidung

01. Verwende Flüssig-Waschmittel

Flüssigwaschmittel verwendenAus Erfahrung empfehle ich Funktionskleidung mit einem Flüssig-Waschmittel zu reinigen, denn die Kristalle von einem Pulver-Waschmittel würden die feinen Stoffporen der Funktionskleidung verstopfen. Statt Universalprodukte, kannst Du schonende Spezial-Waschmittel namhafter Hersteller der Outdoor-Industrie verwenden – das empfehle ich Dir. 2009 habe ich erstmals Grangers 2 in 1 Cleaner & Proofer ausprobiert und nutze es bei jedem Waschgang meiner Oberbekleidung.

Grangers 2 in 1 Cleaner and Proofer ist ein kombiniertes Pflegemittel und vereint einen herkömmlichen Waschgang mit einem Imprägnierwaschmittel – also zwei Pflegemittel in Einem. Grangers empfiehlt die gereinigte und imprägnierte Kleidung nach dem Waschzyklus im Trockner zu trocknen, um den Imprägnier-Effekt zu verstärken. Natürlich solltest Du zuvor prüfen, ob die Kleidung Trockner-geeignet ist. Wenn nicht, kannst Du die Kleidung alternativ kurz mit einem Bügeleisen behandeln – der Trick: Lege ein Handtuch zwischen der feuchten Kleidung und Hitzequelle, um die Oberschicht zu schonen. (Wenn Du Imprägnierspray bevorzugst, empfehle ich Grangers Textilpflege Kleidung XT Imprägnierung.)


02. Verzichte auf Weichspüler

Verzicht auf WeichspülerLaut Stiftung Warentest setzt sich der Weichspüler nach dem Waschgang an den Fasern der Bekleidung fest und hat dadurch eine wasserabweisende Wirkung. Das ist gewünscht aber dadurch wird die Atmungsaktivität des Gewebes verringert. Die Fasern nehmen den Schweiß nicht mehr auf und können diesen nicht optimal nach außen ableiten. Allerdings löst sich der Weichspüler nach einigen Waschgängen wieder aus dem Gewebe. Die Funktionalität des Materials kann wieder hergestellt werden. Trotzdem: Verzichte besser auf Weichspüler. (Quelle: Sportunterwäsche: Synthetik macht das Rennen)


03. Nicht oder langsam schleudern

GORE-TEX® sollte im Schongang geschleudert werden, siehe hier. VAUDE rät, die Funktionskleidung mit Sympatex® im Schonwaschgang bei 40°C zu waschen (Quelle). Jack Wolfskin empfiehlt auch eine schonende Wäsche. Einige Hersteller raten grundsätzlich vom Schleudern bestimmter Kleidung ab. Am Besten Du orientierst Dich an den Hersteller-Hinweisen auf dem Wäsche-Etikett oder Du suchst auf der Hersteller-Website nach Pflegehinweisen. Im Zweifel stellst Du eine niedrige Schleuder-Drehzahl ein.


04. Wähle einen Pflegeleicht-Waschgang

Schonend schleudern im Pflege-Leicht-WaschgangBei einem Pflegeleicht-Waschgang wird mehr Wasser beim Durchspülen in die Trommel der Waschmaschine gespritzt. Der Waschgang kann gut mit niedrigen Schleuder-Drehzahlen kombiniert werden. Das führt zu einer geringeren mechanischen Beanspruchung Deiner hochwertigen Kleidung.


05. Verwende einen Wäschesack

Wäschesack - WäschenetzMit einem Wäschesack, der aus dünnem Netzgewebe gefertigt wurde, kannst Du teure Funktionswäsche zusätzlich schützen. Diese Netze werden in vielen Drogerie-Märkten angeboten. Alternativ kannst Du auch einen Einkaufsbeutel aus dünner Baumwolle verwenden, den Du gut verknotest.


06. Krempel die Innenseite nach außen

Zum Schutz vor Beanspruchung empfehle ich die Funktionskleidung (Fleece, Apex, etc.) umgekrempelt, also mit den Nähten nach außen, zu waschen. Ein geringer Umstand mit großer Wirkung, denn die Außenseite der Kleidung wird geschont.


07. Zweckdienlich imprägnieren

Kleidung imprägnierenDas Imprägnieren von Kleidung mit einem Imprägnierwaschmittel kann bei vielen Membranen die Atmungsaktivität des Gewebes mindern, weil sich eine wasserabweisende Schutzschicht auf der Innenseite bildet. Deshalb empfehle ich stets hochwertige Imprägniermittel zu verwenden. Wie bereits geschrieben habe ich gute Erfahrungen mit Grangers 2 in 1 Cleaner & Proofer gemacht. Wenn Du ein Imprägnierspray verwendest, kannst Du individuell vorgehen und zum Beispiel den Rücken Deiner Funktionsjacke nicht oder sparsam imprägnieren, solltest Du häufig einen Rucksack tragen.


08. Funktionskleidung in den Trockner

Trockner-SymbolJede Wärme nach dem Waschen wirkt positiv auf GORE-TEX® und wasserabweisende Kleidungsstücke, weil Wärme den wasserabweisenden Imprägniereffekt reaktiviert. Wenn Du einen Trockner besitzt und die Kleidung geeignet ist, empfehle ich diese nach einem Imprägnierwaschmittel schonend zu trocknen.


09. Stricksachen liegend trocknen

Kleidung liegend trocknenDas liegend Trocknen ist dann wichtig, wenn dehnbare Wäsche getrocknet werden soll, wie Stricksachen, Merinowolle. Da sich die Schurwollfasern beim Waschen mit Wasser vollsaugen, sind diese Bekleidungsstücke nach dem Waschgang feucht und schwer, so dass ihr Gewicht sie aus der Form zieht. Für alle weiteren Bekleidungsstücke empfehle ich: Einfach hängen und trocknen lassen, bzw. ideal den Trockner verwenden.


10. Imprägnierwaschmittel versus Imprägnierspray

Imprägnierwaschmittel Imprägnierspray
Wann imprägnieren? Erst nach dem Waschen in einem separaten Waschgang oder als Kombi-Lösung Nach dem Trocknen
Wie imprägnieren? 1. Imprägnierwaschmittel in die Spülkammer
2. Schonwaschgang starten
3. Trocknen (Ideal im Wäschetrockner)
1. Trockene Bekleidung ganzflächig besprühen
2. Bekleidung auf einen Bügel hängen
3. Trocknen lassen
Probleme Einzuwaschende Chemie kann unter Umständen zu Hautreizungen führen Schlechte Sprühleistung kann zu mangelhaften Ergebnissen führen
Vorteile Einfacher 2in1 Vorgang
Gleichmäßige Imprägnierung
Ausgewählte Flächen können stärker/schwächer imprägniert werden
Nachteile Ggf. spürbare Minderung der Atmungsaktivität,
Imprägnierung erfordert Waschgang
Schwer eine gleichmäßig großflächige Imprägnierung zu erreichen,
Waschen als eigenständiger Prozess (Dauer)
Häufigkeit Nicht nach jeder Wäsche notwendig – je nach Beanspruchung und zu erwartender Witterung Je nach Beanspruchung und zu erwartender Witterung
Kosten Von 6,00 bis 22,00 EUR Von 7,00 bis 19,00 EUR
Kaufempfehlung Grangers 2 In 1 oder NIKWAX – Tech Wash + TX-Direct Grangers Textilpflege Kleidung XT Imprägnierung

Was bedeutet DWR Imprägnierung?

Falls Du mit dem Begriff DWR Imprägnierung auf einer Imprägniermittel-Beschreibung konfrontiert wirst, hier eine kurze Erklärung: DWR steht für Durable Water Repellency und beschreibt eine haltbare, nicht sichtbare wasserdichte Imprägnierung die auf das Obermaterial Deiner Outdoorbekleidung oder Ausrüstung auftragen kannst. DWR sorgt dafür, dass Feuchtigkeit auf der Oberfläche abperlt ohne das idealerweise die Atmungsaktivität spürbar gemindert wird.

Spezialfall: Gore-Tex waschen

  • Gore-Tex kann in der Waschmaschine gewaschen werden – bei 30° bis 40° im Pflegeleicht-Waschgang.
  • Vor dem Waschen sollten alle Klettverschlüsse und Reißverschlüsse geschlossen werden.
  • Verwende ein Flüssigwaschmittel. (Pulver-Waschmittel, Weichspüler oder Bleichmittel würden die atmungsaktive Membran des Kleidungsstücks verstopfen.)
  • Empfehlung zur Reinigung und Imprägnierung von Gore-Tex Oberbekleidung:
    1. Verwende ein hochwertiges Kombi-Pflegemittel aus Reinigung + Wasch-Imprägnierung.
    2. Die Wäsche muss schonend geschleudert werden.
    3. Die feuchte Wäsche sollte am Besten im Wäschetrockner, 15-20min bei niedriger Temperatur, getrocknet werden.
  • Goldene Regel: So oft wie nötig aber so selten wie möglich waschen.

Spezialfall: Fjällräven G-1000 Gewebe imprägnieren

Die bekannte Outdoor-Marke Fjällräven bietet mit dem G-1000 ein besonders strapazierfähiges und anpassbares Outdoor-Gewebe, das sehr häufig in der Oberbekleidung der Marke verarbeitet wird. Meine Fjällräven Greenland Winter Parka besteht dem G-1000 Gewebe (Eigenschaften).

Fjallraeven Greenland Wax G-1000

Fjallraeven Greenland Wax für G-1000 Outdoor-Gewebe

Das Outdoor-Gewebe sollte mit dem 100% natürlichen Fjällräven Greenland Wax imprägniert werden. Es wird übrigens aus Bienenwachs und Paraffin hergestellt.

Durch Reibung wird der Wax-Block auf die Oberfläche des Gewebes aufgetragen. Das Wax wird nun durch Wärmezufuhr zum Schmelzen gebracht, so dass es vollständig in das Gewebe einzieht. Fjällräven empfiehlt dies mittels Haarfön oder durch ein altes Bügeleisen zu tun. Schultern, Knie und andere exponierte Stellen empfiehlt Fjällräven mit einer zusätzlichen Schicht zu versiegeln. Den Rücken spart man aus, wenn dieser maximal atmungsaktiv beim Tragen eines Rucksacks sein soll. Denn eine starke Imprägnierung wirkt sich nachteilig auf die Atmungsaktivität aus. Eine detaillierte Anleitung zur Verwendung des Fjällräven Greenland Wax bei G-1000 Outdoor-Gewebe erhältst Du hier. Eine Waschanleitung für Bekleidung aus G-1000 Gewebe kannst Du hier lesen.

Spezialfall: Merinowolle waschen

Merinowolle ist zwar keine Funktionskleidung in dem Sinn aber erfordert die richtige Pflege. Deshalb stelle ich Dir hier gern ein paar Tipps zur Verfügung:

  • Moderne Merinobekleidung kann in der Waschmaschine gewaschen werden.
  • Es gibt verschiedene Material-Mischungen, worin sich die Pflege-Empfehlungen der Hersteller unterscheiden. Deshalb solltest Du Dich an den Pflegehinweisen des Herstellers orientieren.
  • Merinowolle ist eine organische Faser und reinigt sich selbst. Dadurch ist Merinowolle fast geruchsneutral, selbst nach großer Anstrengung.
  • Die elastischen Fasern sollten ohne Weichspüler und ohne Bleichmittel behandelt werden.
  • Empfohlen werden ph-neutrale/biologische Waschmittel, die frei vom Enzym „Protease“ sind. (Tipp: Grangers Meriono Cleaner)
  • Viele Hersteller empfehlen die gewaschene Merino-Bekleidung liegend zu trocken, nicht im Wäschetrockner. Am Besten Du schaust auf die Pflegehinweise Deiner Kleidung.

Was ist Funktionskleidung?

Fjällräven Abisko Eco-Shell Anorak

Fjällräven Abisko Eco-Shell Anorak

Als Funktionskleidung werden Textilien bezeichnet, die eine ideale Körpertemperaturregelung bei sportlichen Aktivitäten ermöglichen sollen. Selbst bei widrigen Witterungsbedigungen, wie beim Wandern im Dauerregen, Bergsteigen bei eisigen Stürmen oder Radsport bei hohen Temperaturen soll ein bestmöglicher Tragekomfort ermöglicht werden.

Funktionskleidung hat die Aufgabe, einen optimalen Abtransport der Feuchtigkeit auf der Haut zu ermöglichen. Durch sportliche Aktivität transpiriert unsere Haut. Diesen Prozess bezeichnen wir als Schwitzen: Aufgrund der körperlichen Belastung geben die Schweißdrüsen ein wässriges Sekret ab, das durch die Hautporen an die Hautoberfläche gelangt. Dieser fast zu 100% aus Wasser bestehende Schweiß verdunstet auf der Haut, wodurch eine Verdunstungskälte entsteht, um die Körpertemperatur effektiv zu senken. Schwitzen ist eine normale und lebensnotwendige Funktion des Körpers.

Allerdings empfinden viele Menschen Schwitzen als unangenehm. Darauf hat die Textilindustrie reagiert und moderne Fasern und Gemische entwickelt. Die Feuchtigkeit auf der Haut soll durch die Kleidung aufgenommen und direkt nach außen abtransportiert werden. Auf der Textiloberfläche kann die Feuchtigkeit ungehindert verdampfen. Das bezeichnet man als Atmungsaktivität – die Kleidung fühlt sich trocken an und für den Träger entsteht ein deutlich besseres Tragegefühl.

Kann man Atmungsaktivität messen?

Marmot Sling Shot Daunenjacke

Marmot Sling Shot Daunenjacke

Ja, Atmungaktivität kann man messen: In Gramm Wasserdampf pro Quadratmeter. Dabei wird ermittelt, welche Menge Wasserdampf innerhalb von 24 Stunden durch einen Quadratmeter textile Membranfläche dringt. Diesen Wert bezeichnet man als MVTR-Wert – die Moisture Vapor Transmission Rate. Ab einem MVTR-Wert von 10.000g/m2/24h gilt eine Membran als sehr atmungsaktiv.

Doch nicht alle Hersteller von Funktionskleidung verwenden diesen Wert, so dass man häufig auch auf den RET-Wert trifft – die Resistance to Evaporating Heat Transfer. Dieser Wert beschreibt den Widerstand, den eine Textilie dem Wasserdampf entgegensetzt. Je niedriger der RET-Wert ist, desto größer ist die Atmungsaktivität des Kleidungsstücks. Erfahrungsgemäß sollte Funktionskleidung für schweißtreibende Aktivitäten einen RET-Wert von 13 [RET < 13] nicht überschreiten, um eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit zu gewährleisten.

Meine Frau trägt im Winter beispielsweise die Marmot Sling Shot Daunenjacke, welche durch die Marmot MemBrain®-Membran über eine beachtliche Wasserdampfdurchlässigkeit (RET 6-8) und gleichzeitig hohe Wasserdichtheit (min. 10.000 mm) verfügt. Das macht diese Daunenjacke zum optimalen Begleiter im Alltag und beim Wintersport. (Waterproofness: 10,000 mm minimum JIS-L 1092; Breathability: 10,000 gm / 24h minimum JIGS-1099 B1; Hohenstein RET: 6 to 8)

Wann ist Oberbekleidung wasserabweisend bzw. wasserdicht?

Eine optimale Atmungsaktivität ist zwecklos, wenn die Oberbekleidung (Wetterschutzschicht) nicht wasserabweisend bzw. wasserresistent oder gar wasserdicht ist. Hier kommt der Begriff Wassersäule ins Spiel: Für die meisten Aktivitäten reicht eine Wassersäule ab 800 mm vollkommen aus (nach der europäischen Norm EN 343:2003 „Schutzkleidung gegen Regen“ entspricht dieser Wert: wasserdicht Klasse 2). Ab einem Wert von 1.500 mm ist ein textiles Obermaterial „wasserdicht Klasse 3“, als Regenbekleidung geeignetes Obermaterial. Zum Vergleich nutzen Extremsportler Funktionskleidung mit einer Wassersäule bis zu 20.000 mm, um eine maximale Wasserdichtigkeit zu gewährleisten.

Beim Kauf von Outdoor-Funktionskleidung für die äußere Kleidungsschicht empfehle ich drei Werte zu nutzen: Atmungsaktivität, die Du nach dem MVTR-Wert oder RET-Wert bestimmst, die Wassersäule gemessen in mm und die Winddichtigkeit. Je nach Anforderung solltest Du individuelle Kompromisse setzen.

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