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Stiegentour Häntzschelstiege

Atemberaubende Klettersteig-Stiegentour

Bei dieser Stiegentour durchqueren wir den abenteuerlichen Klettersteig Häntzschelstiege in der Sächsischen Schweiz. Über Leitern und Eisen klettern wir die Felswände der Affensteine empor und überwinden dabei einen Höhenunterschied von 160 Metern. Am Austritt der Häntzschelstiege werden wir mit einer tollen Weitsicht belohnt. Anschließend wandern wir zum Startpunkt unserer tollen Stiegentour zurück.

Icon - Wegstrecke Circa 5,1km
Icon - Uhr Etwa 3 Stunden
Icon - Weg Dietrichsgrund (grüner Strich, roter Strich, grüner Punkt) – Vorderer Heideweg – Bloßstock, bis zum Einstieg zur Häntzschelstiege
Icon - Schuhe Trittsicheres Schuhwerk, da teilweise Metall- und Holzstufen, Leitern
Icon - Wandern mit Kind Empfohlen mit Klettersteigset
Icon - Wanderer mit Hund Nicht geeignet

Anfahrt mit dem PKW

Schon lange mal wieder auf dem Programm stehend, aber immer wieder wegen diverser Ausreden verschoben, haben wir uns kurzer Hand entschlossen, dass sonnige Wetter zu nutzen und uns in Richtung Häntzschelstiege aufzumachen. Da wir aus dem Norden von Dresden kommen, ersparen wir uns regelmäßig die stressige Durchfahrt durchs Dresdner Zentrum und wählen den Anreiseweg über Radeberg, Hohenstein, Sebnitz, Saupsdorf zur Häntzschelstiege im schönen Kirnitzschtal. Diese Strecke schaffen wir bei normalem Verkehr in etwa 1,25 Stunden, was als erträglicher Zeitaufwand eingeschätzt werden kann. Und damit ist mit dem Kirnitzschtal auch schon unser allgemeine Ausgangspunkt definiert, wenn man auf dem direkten Weg zur Häntzschelstiege gelangen will.

Die aus meiner Sicht beste Stelle, dass Fahrzeug sicher abzustellen, ist der Parkplatz am Beuthenfall. Allerdings sind die Stellplätze äußerst knapp bemessen, so dass man nur mit viel Glück einen solchen ergattern kann.

Impressionen von der Häntzschelstiege

Start am Beuthenfall im Kirnitzschtal

Die Häntzschelstiege liegt in der Nähe des nördlichsten Gipfels der Affensteine, dem Bloßstock. Daher starten wir leicht bergan in den Dietrichsgrund (grüner Strich, roter Strich, grüner Punkt) und folgten nach etwa 500 Metern rechts dem Vorderen Heideweg.

Linker Hand durch die Bäume ist schon nach weiteren 15 Minuten das imposante Gebilde des Bloßstocks zu erkennen, das steil in den hellblauen Himmel ragt. Das durchdringende Geklapper von Karabinern und Abseilachten zeigt uns an, den Wanderweg bergauf nun nach links zu verlassen, um direkt am Fuß des Affenstein-Massivs die Wanderung in südwestlicher Richtung fortzusetzen. Nach weiteren 300 Metern Wegstrecke entlang des Affenstein-Massivs auf einem gut begehbaren Wanderweg erscheint ein kleines Schild, auf dem das heutige Ziel klar ausgewiesen ist: die Häntzschelstiege.

Sichern – ja oder nein?

Die immer wieder heiß diskutierte Frage, die Häntzschelstiege gesichert oder ungesichert zu durchsteigen, muss jeder selbst entscheiden und richtet sich aus meiner Sicht nach den Erfahrungen und dem klettertechnischen Können. Wer also kontinuierlich im 7’mer Bereich klettert, wird sich in der Häntzschelstiege wohl nicht zwangsläufig sichern wollen.

Für Neulinge und Kletterer, die diesen Sport mehr sporadisch betreiben, ist eine Sicherung empfehlenswert, weil ja nicht schädlich. Dabei sollte Sicherungstechnik genutzt werden, wie sie auch bei normalen Klettersteigen oder Klettergärten verwendet wird. Sogenannte Klettersteigsets sind bereits ab 60,00 EUR erhältlich. Diese werden in einen Hüftgurt oder einen Klettergurt eingeklinkt. Je ein Karabiner sichert den aktiven Bergsportler in den Stahlseilen oder Ösen am Fels.

Unterer Teil der Häntzschelstiege

Ja, und dann geht es endlich los. Der untere Bereich der Häntzschelstiege besteht aus zwei sich offen an der Felswand entlang windenden Abschnitten, die über die in der Felswand eingelassenen Stahlbügel zu erklimmen sind. Zudem noch aus einer straff ansteigenden Kluft, welche durch verankerte Seile in der kargen Felswand der Häntzschelstiege ebenfalls gut gesichert sind.

Der Einstieg über den vorgelagerten Block bis zum ersten Steigbügel erfordert nun schon, dass man sich anständig festhält. Besonders imposant finde ich den oberen Umtritt um die Felskante, da man hier reichlich Luft unter dem Hintern hat. Ist der erste Teil der Häntzschelstiege erfolgreich absolviert, eröffnet sich ein grandioses Bild, da direkt über der Brosinnadel der Falkenstein auftaucht und wie von dieser eingeklemmt wirkt.

Einstieg zur Häntzschelstiege

Einstieg zur Häntzschelstiege

Leiter mit Seil in der Häntzschelstiege

Leiter mit Seil in der Häntzschelstiege

Von den umliegenden Blöcken hat man eine hervorragende Sicht bis ins Kirnitzschtal. Besonders im Frühling sind die vielen tiefgrünen Schattierungen, die immer wieder durch die dunkelgrauen Sandsteinfelsen – Urzeitmonstern gleich – durchstoßen werden, einfach atemberaubend. Nachdem wir die Aussicht weidlich genossen und dabei auch das eine oder andere Pixel dieser Kulisse gespeichert haben, geht es nun vom ersten Teil kommend rechtshaltend dem oberen Abschnitt der Häntzschelstiege entgegen.

Im unteren Teil der Häntzschelstiege

Im unteren Teil der Häntzschelstiege

Ausblick auf die Mischwälder der Sächsischen Schweiz

Ausblick auf die Mischwälder der Sächsischen Schweiz

Oberer Teil der Häntzschelstiege

Für die Passage des oberen Teiles ist es ratsam, den Rucksack abzusetzen, um die Gefahr des Steckenbleibens erheblich zu senken. In dem Kamin nämlich, der sich vor einem öffnet, muss man sich etwa 5 Meter hineinschieben. In der hohlen Kehle des massiven Kamins folgen wir nun wiederum den senkrecht nach oben verlaufenden Stahlbügeln bis zum ersten Absatz. Nach Bewältigung der Leiter, die uns weiter hinauf bringt, erwarten uns fasst horizontal verlaufende Stahlbügel. Es folgt schon der nächste Kick, wenn man die sicheren Stahlbügel der einen Felswand loslassen muss, um die rettenden Bügel auf der gegenüberliegenden Felswand zu erreichen.

Im Kamin der Häntzschelstiege

Im Kamin der Häntzschelstiege

Stufen und Stahlseile

Stufen und Stahlseile

Über einzelne Blöcke erreichen wir den Wanderweg auf festem Boden, der über das Lange Horn auf den Affensteinen direkt in südliche Richtung führt und haben damit die Häntzschelstiege erfolgreich gemeistert, wobei wir wirklich jede Menge Spaß hatten. Von hier aus folgen wir dem Wanderweg in Richtung Reitsteig (blauer Strich), um nach etwa 20 Minuten das offene große Plateau zu erreichen, auf dem sich eine Rast sowohl für Fotos hervorragend anbietet.

Von diesem Platz aus stehen einem alle Optionen zur Wahl des weiteren Wanderweges offen. Zu empfehlen und absolut lohnend ist der Weitermarsch über den Reitsteig, dann weiter über den kleinen Winterberg zum Neuen Wildenstein, um dem Kuhstall eine Aufwartung zu machen. Von dort aus ist der Rückweg über den Lichtenhainer Wasserfall leicht absolvierbar.

Abstieg von der Häntzschelstiege

Auf Grund des schon weit vorangeschrittenen Tages haben wir uns spontan dazu entschlossen, heute eine relativ schnelle Abstiegsvariante zu wählen. Angeboten hat sich der Abstieg in Richtung Idagrotte – Frienstein.

Ausblick von der Häntzschelstiege

Ausblick von der Häntzschelstiege

Abstieg durch dichten Tann

Abstieg durch dichten Tann

Wiederum gut gekennzeichnet ist es problemlos möglich, den Hinteren Heideweg zu finden (erst roter Strich, dann grüner Strich), welcher später in den eingangs erwähnten und bergaufwärts gelaufenen Dietrichsgrund mündet. Nach drei Stunden traten wir wesentlich ausgeglichener als angereist die Heimfahrt an.

Wanderkarte der Stiegentour

Hintere Sächsische Schweiz Blatt 1 - Schrammsteine, Affensteine, Zschirnsteine // Sachsen Kartographie Dresden GmbH

Hintere Sächsische Schweiz Blatt 1 – Schrammsteine, Affensteine, Zschirnsteine // Sachsen Kartographie Dresden GmbH

Fotografien und Stiegen-Bericht von Sven Kerber


Geschichte der Häntzschelstiege

Die Häntzschelstiege wurde von Rudolf Häntzschel (Sebnitz) in den 60’er Jahren aus Eigeninitiative angelegt. Im Alleingang erbaute er den Klettersteig ohne offizieller Erlaubnis mit Schrottmaterial und benötigte bis zur Fertigstellung etwa zehn Jahre.

1998 gab es seitens der Nationalparkverwaltung Pläne, die Stiege zu sperren, weil die Tritte und Seile im Laufe der Zeit marode und empfindlich abgenutzt wurden. Das führte jedoch zu massiven Protesten (Wandervereine, Sächsischer Bergsteigerbund, Sächsische-Schweiz-Initiative), wodurch der untere Teil, und im Jahre 2004 auch der obere Teil der Stiege komplett saniert wurde.

Noch heute ist die sanierte Häntzschelstiege der wohl herausforderndste Klettersteig der Sächsischen Schweiz und bietet einen atemberaubenden Aufstieg in die Affensteine.


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