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Wanderstöcke Ratgeber

So findest Du den idealen Wanderstock

Als Kind habe ich mir einen Wanderer als reifen Mann, mit weißem Rauschebart, Filzhut mit Krempe und Wanderstock vorgestellt. Bei meinen Großeltern auf dem Dorf habe ich mir Wanderstöcke geschnitzt, wenn es auf Wanderschaft ging. Heute werden sie immer häufiger genutzt. Moderne Wander- und Trekkingstöcke gibt es in den unterschiedlichsten Materialien und Varianten. In diesem Ratgeber stelle ich wichtige Entscheidungskriterien für den Wanderstöcke-Kauf vor.

Für wen sind Wanderstöcke hilfreich?

Frau mit Wanderstöcke

Frau mit Wanderstöcke

Wer sich beschaulich in der Natur bewegt, benötigt meist keine Wanderstöcke. Doch für reifere Wanderer, die auch gern abseits der befestigten Wege unterwegs sind, oder Menschen mit chronischen Gelenkproblemen unterstützen sie die Fortbewegung. Eine weitere Zielgruppe sind Wanderer mit schwerem Gepäck – zum Beispiel mit Wanderkraxe oder Kindertrage, weil Wanderstöcke den Tritt stabilisieren, die Haltung verbessern und Arm- und Rückenmuskeln stärken. Aber auch Outdoor-Enthusiasten, die anspruchsvolle Aktivitäten und Herausforderungen suchen, optimieren die Bewegungsabläufe durch optimal gewählte Wanderstöcke spürbar.

Material: Aluminium oder Carbon

Leki Carbon-WanderstöckeBestanden Wanderstöcke zu Großvaters Zeiten aus Holz, so hat sich in den letzten Jahren ein grundlegender Wandel vollzogen. Denn heute werden Wanderstöcke aus leichten Hightech Materialien, wie Carbon oder Aluminium, gefertigt. Carbon ist eine enorm leichte Faser aus kohlenstoffverstärktem Kunststoff. Sie dämpft die Vibrationen und leitet diese nicht oder nur begrenzt an die Hand des Trägers weiter. Carbonfaser ist allerdings teuer und anfällig gegen harte Schläge (Splittergefahr).

Wanderstöcke aus Aluminium sind stabil und deutlich günstiger als Carbon, allerdings besitzen sie ein höheres Eigengewicht. Ein weiterer Nachteil: Bei zu starker seitlicher Belastung knicken die Teleskoprohre aus Aluminium schnell um.

Ich empfehle Wanderstöcke aus Carbon zu kaufen, weil sie leichter als Aluminium sind.

Griffe: Kork oder EVA-Schaum

Wanderstock-Griff aus KorkSchwielen und Blasen an den Händen vermeiden, heißt die Devise. Deshalb rate ich davon ab, Wanderstöcke mit billigen Kunststoffgriffen zu kaufen. Das beste Material für Griffe ist Kork – besonders wenn die Wanderstöcke im Sommer oder in warmen Gegenden zum Einsatz kommen. Denn Kork-Griffe reduzieren die Schweiß- und Blasenbildung an den Händen. Für Wanderungen bei mäßigem Klima reichen Griffe aus EVA-Schaum durchaus.

Ich empfehle Wanderstöcke mit Griffen aus natürlichem Kork mit gepolsterten Handschlaufen zu kaufen. Diese verringern nämlich das Einschneiden der Handgelenke bei anspruchsvoller Aktivität.

Klemmsysteme

Trekking- und Wanderstöcke gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Arten. Wenn Du Wanderstöcke kaufen möchtest, solltest Du die verschiedenen Klemmsysteme und deren Vor- und Nachteile kennen. Durch das Klemmsystem werden die einzelnen Segmente des Wanderstockes exakt an die Körpergröße angepasst. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Die Teleskoprohre werden auseinander gezogen und arretiert. Das Klemmsystem sorgt dabei für einen sicheren Halt der Segmente, so dass die Rohre bei starker Belastung nicht in sich zusammen rutschen. Einzige Ausnahme stellen hier Wanderstöcke mit Faltsystem dar, denn diese werden auseinander gefaltet.

Vorsicht: Minderwertig produzierte, alte oder verschlissene Klemmsysteme stellen eine erhebliche Verletzungsgefahr dar. Um Unfälle vorzubeugen, solltest Du jedes Verletzungsrisiko vermeiden und besser früher als zu spät neue Wanderstöcke kaufen.

Wanderstock mit FlickLock-KlemmsystemDer Hersteller Black Diamond hat vor wenigen Jahren ein fortschrittliches Außenklemmsystem, das „FlickLock-Klemmsystem“, etabliert und so die Nutzbarkeit moderner Wanderstöcke revolutioniert. Es eliminiert die Fehleranfälligkeit herkömmlicher Drehverschlusssysteme und bietet zudem eine visuelle Sicherheit für den Anwender.

Klemmsysteme im Vergleich

1. Drehverschluss mit innenliegendem Klemmsystem

Die Wanderstöcke sind durch ihr innenliegendes Klemmsystem kompakt. Durch ihr geringes Packmaß lassen sie sich optimal am oder im Rucksack verstauen. Nachteil: Das Klemmsystem hat nur eine begrenzte Lebensdauer, bis die Rohre nicht mehr halten und zusammen rutschen. Mit ihrer Abnutzung steigt das Verletzungsrisiko.

2. Außenklemmsystem

Durch ein Außenklemmsystem lassen sich Wanderstöcke mit wenig Kraft verstellen und exakt auf die gewünschte Länge justieren. Das funktioniert sogar mit Handschuhen gut. Die Klemmeigenschaften sind auch bei geringen Temperaturen garantiert. Einziger Nachteil des Außenklemmsystems ist, dass die Wanderstöcke etwas sperriger und schwerer als Wanderstöcke mit innenliegendem Klemmsystem sind. Besonders häufig werden das FlickLock-Klemmsystem oder das Speed Lock-Klemmsystem an Wanderstöcken verbaut.

3. Faltsystem

Beim Faltsystem werden die einzelnen Segmente der Wanderstöcke wie bei einer Ziehharmonika gefaltet. Dadurch kann es, selbst bei starker Beanspruchung, nicht zum Durchrutschen der Segmente kommen. Die Wanderstöcke können optimal am Rucksack transportiert werden, da sie zusammengefaltet ein geringes Packmaß besitzen. Die Modelle der Firma Komperdell sind empfehlenswert. Aufgrund ihrer durchdachten Materialkomposition und einem akzeptablen Verstellbereich eignen sie sich selbst für extreme Einsatzgebiete.

Wanderstöcke mit Dämpfung

Einige Hersteller bieten bereits Wanderstöcke mit Dämpfung an. Vorteil der Dämpfung ist die Schonung der Handgelenke – besonders bergab. Auch Schultern und Ellbogen werden weniger belastet. Nachteil: Die Dämpfung kann sich im unwegsamen und steilen Gelände negativ auf die sichere Handhabung auswirken. Bei starker Beanspruchung geben dämpfen die Wanderstöcke meist zu stark. Am Besten Du probierst gedämpfte Wanderstöcke selbst einmal aus.

Eine interessante Innovation am Markt ist die „CONTROL SHOCK TECHNOLOGIE“ von Black Diamond. Diese geräuschlose Technologie absorbiert sogar schwere Stöße progressiv in vier Stufen. Durch ein ausgeklügeltes System im Inneren des Wanderstockes wird ein Zurückspringen verhindert. Die Stossdämpfer befinden sich direkt unter dem Griff. Sie zeigen die progressiven Stufen der Dämpfung optisch an. Das Packmaß wird laut Hersteller nicht beeinflusst.

Zusammenfassung

Material

  • Carbon: sehr leicht und stabil aber teuer, dämpfen Vibrationen nicht
  • Aluminium: günstig und stabil aber schwerer

Griffe und Handschlaufen

  • Kork: vermindert Schweiß- und Blasenbildung, ideal im Sommer
  • EVA-Schaum: angenehmes, griffiges Material, ideal im Frühjahr/Herbst
  • Gepolsterte Handschlaufen: verringern das Einschneiden der Handgelenke und dienen einer optimalen Kraftübertragung

Klemmsystem

  • Drehverschluss mit innenliegendem Klemmsystem: leicht und kompakt, allerdings schnelle Abnutzung
  • Außenklemmsystem: leichtgängige und schnelle Längenverstellung, allerdings etwas sperrig
  • Faltsystem: extrem leicht, sehr kompakt und kein Durchrutschen der Segmente, allerdings meist Fixlänge oder nur geringer Verstellbereich

Wanderstöcke mit Dämpfung

  • Schonung der Handgelenke, Schultern und Ellbogen, können jedoch im unwegsamen und steilen Gelände weniger geeignet sein

Kommentare

Roland Armsen 20. Februar 2017 um 17:49

Vielen Dank für diesen Artikel! Sehr anschaulich gestaltet und informativ. Ich finde, Trekkingstöcke können beim Wandern eine große Erleichterung sein.

Antworten

Olaf Henne 17. Juli 2017 um 12:27

Worauf muß ich achten, wenn ich Zubehör/Ersatzteile für meine Wanderstöcke nachbestellen möchte? Im Einsatz sind: „Enceeo“ Trekkingstöcke-Wanderstöcke 65cm-135cm und „topfit“ 65cm-135cm.

Antworten

Jens 29. Juli 2017 um 20:45

Hallo Olaf,

zunächst vielen Dank für Deinen Kommentar. Offen gestanden bin ich bei Deinen Wanderstöcken bzgl. Zubehör überfragt. Inzwischen gibt es viele Hersteller und unzählige Modelle auf dem Markt, so dass ich nicht jedes Modell kenne. Vielleicht informierst Du Dich einfach mal beim Händler Deines Vertrauens.

Berg heil
Jens

Antworten

Olaf Henne 17. Juli 2017 um 12:30

Vielen Dank für eine verständliche Erläuterung.

Antworten

Ulrich 23. September 2017 um 11:16

Als ich kürzlich zum ersten Mal Stöcke benutzte, empfand ich es als lästig, wenn diese im Boden stecken blieben. Auf diesen Punkt bist Du nicht eingegangen! Sonst auf jeden Fall ein schöner und hilfreicher Artikel.

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